Mein Freund Salim

Ausgezeichnet mit dem Leipziger Lesekompass 2016

Salim war durch den Krieg in seinem Land zu einem geworden, der reisen musste. Und wer denkt, dass man als Kind kein Reisender sein kann, der sollte wohl mal anfangen, sich umzusehen in der Welt.             

Uticha Marmon 2017, S. 151
Das Ende und gleichzeitig ein Anfang

Der Junge Salim, der den Geschwistern Tammi und Hannes zunächst dank seiner mit Glitzervögeln bestickten Jacke als „Vogelmann“ in Erinnerung bleibt, ist repräsentativ für viele Kinder und Jugendliche, die auf der Flucht nach Europa von ihrer Familie getrennt wurden und die durch die Hoffnung auf ein Wiedersehen weiterreisen.

Hannes, aus dessen Perspektive die Abenteuergeschichte erzählt wird, und seine kleine Schwester Tammi haben ein gemeinsames Lieblingsbuch: Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

Und gerade dieses Buch entdeckt Hannes an einem Nachmittag bei einem unbekannten und verängstigt wirkenden Jungen wieder, mit dem er durch Zufall auf dem Spielplatz zusammentrifft. Aber dessen Exemplar ist voller fremder Buchstaben und seltsam wirkender Zeichnungen, wie Brücken, die im Wasser enden und Schwalben, die viele Seiten begleiten.

Fortan taucht dieser Junge mit dem Namen Salim immer mal wieder auf. Am Schulzaun, auf dem Spielplatz und sogar in der Schule. Dabei macht er sich so gut wie unsichtbar, will unentdeckt bleiben und kommuniziert über seine Zeichnungen, einige englische Wörter, Mimik und Gestik. So können Hannes und seine Schwester Tammi nach und nach durch die Zeichnungen im Buch, auf Papierbögen und an den Wänden eines alten Schiffwracks auf dem Spielplatz erfahren, dass er aus Syrien mit seiner Familie flüchtete, diese auf seinem Weg nach Europa über das Meer „verloren“ hat und nun auf sich gestellt ist.

Die Geschwister selbst bereiten gerade mit ihren Freund:innen für das Schulfest ein Gruselkabinett vor und sind verantwortlich für die Gestaltung. Weil Salim so gut zeichnen kann, unterstützt er das Entstehen des Kabinetts im Geheimen und ist wie selbstverständlich Teil des Freundschaftskreises. Dank der empathischen Art der Kinder, die ihn selbstverständlich in ihrer Mitte sein lassen, kann Salim sich ein wenig öffnen und zeigen, wer er ist und was seine bisherige Reise ihn hat erleben lassen.

Auf einmal aber, kommt er nicht mehr in die Nähe der Schule und die Kinder finden ihn zunächst nirgends. Gleichzeitig ereignen sich ein Diebstahl und ein Einbruch mit der Zerstörung der gruseligen Vorbereitungen zum anstehenden Fest. Und dann ist da auch noch ein unbekanntes gelbes Haus bei dem Salim ab und an gesehen wurde.

Eine abenteuerliche Detektivgeschichte um die wahren Täter des Vandalismus beginnt, während die Suche nach Salim Hannes, Tammi und deren Freund:innen vorantreibt.

Das Ende des Kinder- und Jugendromans ist offen – getrost und zuversichtlich.

Salims Welt hat und behält einen Platz.

Die vorgeschlagenen literarischen Lernaufgaben sind flexibel für alle Kompetenzstände im Deutschunterricht individuell  schriftsprachlich anschlussfähig und gerne mehrsprachig bearbeitbar und übersetzbar. Zusätzliche Unterstützungsangebote zum Abbau von Barrieren wie Hörtexte, diktierendes Schreiben oder Audioaufnahmen sollten für die Kinder gewinnbringend und kompetenzfördernd eingesetzt werden..

Tammi’s Intuition

Die Schüler:innen nehmen die Perspektive der literarischen Figur ein, indem sie einen Tagebucheintrag aus deren Sicht nach dem ersten Zusammentreffen mit Salim schreiben und die Textinformationen des Kapitels zu ihren Überlegungen hinzuziehen.

Eine Geschichte in der Geschichte

Die Schüler:innen untersuchen die Textaussagen auf Kohärenz und ziehen erste individuelle Schlussfolgerungen im narrativen Verlauf, indem sie Unstimmigkeiten in der Bilderbeschreibung aufdecken und diese begründen. Außerdem versuchen sie gemeinsam Perspektiven zu finden, die diese erklären könnten.   

Das gelbe Haus

Die Schüler:innen antizipieren die Bedeutung des Erzählortes für die literarische Figur Salim, indem sie Textinformationen miteinander verknüpfen und die Leerstellen des Textes individuell füllen.   

Nachdem der Text die Notdienststelle benennt, können Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche in Not recherchiert oder Mitarbeiter:innen zur einer Expert:innenrunde in die Klasse eingeladen werden.

Wie etwas dasselbe ist und trotzdem anders

Die Schüler:innen folgen dem narrativen Handlungsverlauf, indem sie die Erzählungen der Bilder nutzen, um einen Ereignisbericht zu verfassen und den Detektivfall zu lösen.  

Das Ende und gleichzeitig ein Anfang

Die Schüler:innen lassen sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses ein, indem sie einen Fortgang der Erzählung aus Salims Perspektive verfassen.

Jahre später

Die Schüler:innen lassen sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses ein, indem sie ein Treffen der Geschwister mit Salim Jahre später schriftlich festhalten und dieses in einem kurzen Rollenspiel präsentieren.

https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/573713/unbegleitete-minderjaehrige-gefluechtete-in-deutschland

https://www.savethechildren.de/informieren/einsatzorte/deutschland/migration-und-flucht

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/fluechtlingsschutz/fluechtlingskinder

https://www.bamf.de/DE/Themen/AsylFluechtlingsschutz/UnbegleiteteMinderjaehrige/unbegleiteteminderjaehrige-node.html